JAWS
Job Access With Speech — ein kommerzieller Windows-Screenreader von Freedom Scientific. Der langjährige Marktführer im Unternehmensbereich; wird häufig mit Chrome oder Edge kombiniert.
JAWS — Job Access With Speech — ist der am längsten aktiv eingesetzte kommerzielle Screenreader. Ursprünglich 1995 von Henter-Joyce (heute Freedom Scientific, Teil von Vispero) veröffentlicht, ist JAWS seit rund drei Jahrzehnten der historische Marktführer im Unternehmensbereich.
JAWS im Ökosystem
Die WebAIM Screen Reader User Survey zeigt JAWS konstant unter den beiden meistgenutzten Desktop-Screenreadern weltweit, dicht gefolgt von NVDA. Bei Nutzenden in Unternehmensumgebungen (Behörden, Finanzwesen, Bildung) ist der Marktanteil von JAWS deutlich höher als im Gesamtdurchschnitt — historisch bedingt dadurch, dass die Lizenzkosten vom Arbeitgeber getragen wurden.
JAWS läuft ausschließlich unter Windows und wird am häufigsten mit Chrome oder Edge kombiniert, obwohl auch die Firefox-Unterstützung solide ist. Auf macOS und Linux ist JAWS nicht verfügbar; dort kommen VoiceOver bzw. Orca zum Einsatz.
Lizenzierung und Preise
Freedom Scientific bietet JAWS in drei Stufen an:
- Home Annual — ca. 90 USD pro Jahr. Gegenüber der Dauerlizenz vergünstigt, unter der ausdrücklichen Prämisse, dass Privatnutzende die jährlichen Updates über das Abonnement erhalten.
- Home Perpetual — historisch ca. 1.100 USD mit jährlichem Software Maintenance Agreement (SMA) von ca. 200 USD für weitere Updates.
- Professional / Enterprise — für Arbeitsplätze und Bildungseinrichtungen, typischerweise ab 1.200 USD mit jährlichem SMA; häufig vom Arbeitgeber oder einem Programm zur beruflichen Rehabilitation finanziert.
Für Nutzende in Regionen, in denen Freedom Scientific keine starke Distribution hat oder der Preis prohibitiv ist, ist NVDA die praktische Alternative — sein Status als freie Open-Source-Software ist der wichtigste Grund dafür, dass NVDA den Marktanteilsabstand zu JAWS im letzten Jahrzehnt erheblich verringert hat.
ARIA-Unterstützung und bekannte Eigenheiten
JAWS verfügt über die längste ARIA-Implementierungsgeschichte unter den kommerziellen Screenreadern und hat dabei einige Eigenheiten angesammelt, die Entwickelnde beim Testen kennen sollten:
- Ausführlichkeitsgrad. JAWS gibt standardmäßig viele Informationen aus — Rolle, Zustand und mitunter redundante Attribute. Nutzende passen die Ausführlichkeit nach eigenen Bedürfnissen an; beim Testen sollte keine bestimmte Einstellung vorausgesetzt werden.
- Live-Regionen. JAWS verarbeitet
aria-live="polite"zuverlässig.aria-live="assertive"unterbricht den Lesefluss und sollte sparsam eingesetzt werden; JAWS zeigt dabei das aggressivste Unterbrechungsverhalten unter den großen Screenreadern. - Lesemodi. JAWS wechselt zwischen dem virtuellen Cursormodus (zum Lesen statischer Inhalte wie Webseiten, bei dem die Pfeiltasten durch den gerenderten Text navigieren) und dem Formularmodus bzw. Anwendungsmodus (zum Ausfüllen von Formularen oder zur Interaktion mit benutzerdefinierten Widgets, bei dem Tastendrücke an die Seite weitergegeben werden). Der Moduswechsel erfolgt teils automatisch, teils manuell und ist eine häufige Fehlerquelle bei komplexen Widgets.
Testpaarungen
Für QA-Arbeiten, die JAWS gezielt abdecken sollen, sind folgende Kombinationen üblich:
- JAWS + Chrome — am weitesten verbreitet im Unternehmensbereich.
- JAWS + Edge — zunehmend verbreitet bei Windows-11-Deployments.
- JAWS + Firefox — historisch die von Entwickelnden bevorzugte Kombination für Spezifikationskonformität; in der allgemeinen Nutzerbasis weniger verbreitet.
Ein sinnvoller geräteübergreifender Testplan deckt mindestens eine JAWS-Kombination sowie NVDA + Firefox und VoiceOver + Safari ab.