WCAG
Auch: Web Content Accessibility Guidelines
Die Richtlinien für barrierefreie Webinhalte — der W3C-Standard, auf den sich die meisten Barrierefreiheitsgesetze beziehen. WCAG definiert, was Webinhalte für Menschen mit Behinderungen wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust macht.
Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) — auf Deutsch: Richtlinien für barrierefreie Webinhalte — werden von der Web Accessibility Initiative (WAI) des W3C erarbeitet. Sie sind der weltweit am weitesten verbreitete Standard für digitale Barrierefreiheit und werden direkt oder per Verweis in nahezu jedem bedeutenden Barrierefreiheitsgesetz weltweit zitiert. WCAG ist das, was die meisten Entwicklerinnen und Entwickler, Designer und Prüfpersonen meinen, wenn sie von „Barrierefreiheits-Konformität“ sprechen.
Aktive Versionen
In realen Verträgen und Audits begegnen einem derzeit drei WCAG-Versionen:
- WCAG 2.0 (2008) — wird noch von älteren Rechtsvorschriften zitiert, darunter die ursprüngliche AODA Integrated Accessibility Standards Regulation und US-amerikanische Section-508-Leitlinien vor 2024.
- WCAG 2.1 (2018) — ergänzte 17 Erfolgskriterien für mobile Nutzung, Sehschwäche und kognitive Barrierefreiheit. Dies ist die Version, auf die EN 301 549 (und damit der EAA) derzeit verweist.
- WCAG 2.2 (Oktober 2023) — fügt neun weitere Erfolgskriterien hinzu, überwiegend zu Fokussichtbarkeit, Ziehoperationen und barrierefreier Authentifizierung.
WCAG 3.0 befindet sich im Status eines Working Draft. Er ist nicht zum Zitieren in Verträgen geeignet — trotz gelegentlicher gegenteiliger Marketingaussagen.
Konformitätsstufen
Jedem WCAG-Erfolgskriterium ist genau eine von drei Stufen zugeordnet: A (absolutes Minimum), AA (die praktische Konformitätsuntergrenze) oder AAA (höchste Stufe, häufig seitenübergreifend nicht umsetzbar). Gesetze und Beschaffungsverträge zielen fast immer auf Stufe AA ab. Das W3C billigt ausdrücklich keine Teilkonformitätsaussagen wie „60 % AA-konform“ — die Einhaltung von „Level AA“ erfordert das Bestehen jedes Level-A- und Level-AA-Kriteriums.
Was WCAG abdeckt und was nicht
WCAG ist bewusst technologieneutral gehalten. Es gilt für HTML, PDFs, mobile Apps, ePub-Publikationen und neue Formate. Folgende Bereiche bleiben bewusst ausgeklammert:
- Native Betriebssystem-Benutzeroberflächen (abgedeckt durch Section 508 Kapitel 5–7, EN 301 549 Kapitel 5–12 und Plattformleitlinien).
- Hardware-Barrierefreiheit (Section 508 Kap. 4, EN 301 549 Kap. 5).
- Designmuster speziell für kognitive Behinderungen (die Cognitive Accessibility Task Force der WAI veröffentlicht ergänzende Leitlinien).
WCAG in der Praxis
WCAG sollte als Mindeststandard betrachtet werden, nicht als Ziel. Automatisierte Tools erkennen höchstens 30–40 % der WCAG-Probleme; der Rest erfordert manuelle Tests mit realer assistiver Technologie und idealerweise Testsitzungen mit Menschen mit Behinderungen. Artikel auf dieser Website verweisen wiederholt auf spezifische Erfolgskriterien anhand ihrer zwei- oder dreistelligen Nummer (z. B. 2.4.3, 4.1.2) — das sind direkte Verweise auf WCAGs maschinenlesbare Erfolgskriterien-Liste.