Konzepte

Konformitätsstufe

Auch: WCAG level

Das abgestufte Bewertungssystem von WCAG: **A** (Minimum), **AA** (weitgehend gesetzlich gefordert), **AAA** (höchste Stufe). Jedes Erfolgskriterium ist genau einer Stufe zugeordnet. Die meisten Gesetze und Verträge verlangen Stufe AA.

WCAG definiert drei Konformitätsstufen — A, AA und AAA — die angeben, wie streng die Barrierefreiheitsanforderungen sind, die eine Website zu erfüllen beansprucht. Jedes WCAG-Erfolgskriterium ist genau einer Stufe zugeordnet. Konformität „auf“ einer Stufe erfordert, dass jedes Kriterium dieser Stufe und aller niedrigeren Stufen bestanden wird.

Was jede Stufe abdeckt

Stufe A — das absolute Minimum. Das Nichtbestehen von A-Kriterien macht Inhalte typischerweise für eine oder mehrere Bevölkerungsgruppen mit Behinderungen unzugänglich. Beispiele: Tastaturzugänglichkeit (2.1.1), Textalternativen für Nicht-Text-Inhalte (1.1.1), kein Flackern über drei Mal pro Sekunde (2.3.1). Eine Website, die Stufe A nicht besteht, ist in keinem sinnvollen Sinne barrierefrei.

Stufe AA — das praktische Konformitätsziel. Sie fügt Anforderungen hinzu, die die Nutzbarkeit erheblich verbessern, aber nicht strikt als „wesentlich“ einzustufen sind. Beispiele: Farbkontrast 4,5:1 für Normaltext (1.4.3), Untertitel für aufgezeichnete Videos (1.2.2), Textvergrößerung auf 200 % ohne Inhaltsverlust (1.4.4), sichtbarer Fokus (2.4.7). Nahezu jedes Barrierefreiheitsgesetz nennt AA als Verpflichtung: die ADA (faktisch), die EAA (über EN 301 549), PSBAR, Section 508, AODA.

Stufe AAA — die höchste Bewertung. Oft nicht standortübergreifend umsetzbar, da mehrere Kriterien situationsbedingt oder schlicht schwierig zu erfüllen sind. Beispiele: Gebärdensprachdolmetschen für alle aufgezeichneten Videos (1.2.6), Kontexthilfe in jedem Formular (3.3.5), Live-Untertitel für Audioinhalte (1.2.4). Das W3C weist ausdrücklich darauf hin, dass „AAA-Konformität nicht als allgemeine Richtlinie für gesamte Websites empfohlen wird.“

Das häufigste Missverständnis

Eine verbreitete Behauptung — fast immer falsch — lautet: „Wir erfüllen Stufe A und die Hälfte der AA-Kriterien, also sind wir teilweise AA-konform.“

WCAG-Konformität ist auf jeder Stufe binär. Um „Stufe AA“ beanspruchen zu können, müssen alle A-Kriterien und alle AA-Kriterien bestanden werden. Das Nichtbestehen eines einzigen A-Kriteriums macht die gesamte Behauptung ungültig; teilweise AA ist nichts, was der Standard anerkennt.

Das W3C formuliert dies ausdrücklich: „It is not possible to conform at Level AA without also conforming at Level A.“ Wenn eine Website als „AA-konform“ beworben wird, aber ein einziges A-Kriterium nicht besteht, ist die Behauptung nach den eigenen Definitionen des Standards falsch.

Warum das operativ relevant ist

Zwei Konsequenzen auf Beschaffungsebene:

  1. VPATs, in denen einige AA-Kriterien als „Supports“ und andere als „Does Not Support“ markiert sind, beanspruchen keine Konformität auf Stufe AA. Sie beanspruchen teilweise Konformität mit einer konkreten Liste von Lücken. Das kann für den Auftraggeber noch akzeptabel sein (und ist ehrlicher als pauschale Behauptungen), aber der Auftraggeber sollte nicht davon ausgehen, dass es „AA“ bedeutet.

  2. Die rechtliche Exposition richtet sich nach der tatsächlichen Konformität, nicht nach dem Marketing. Eine Website, die „WCAG 2.1 AA-konform“ behauptet und dabei ein A-Kriterium nicht besteht, hat ihre Konformität falsch dargestellt. Gerichte und Regulierungsbehörden haben dies als wesentlich behandelt — es handelt sich nicht nur um ein Dokumentationsproblem.

Auswahl eines Ziels

Für nahezu jede kommerzielle Website oder jeden Dienst im Jahr 2026 ist das richtige Ziel WCAG 2.2 Stufe AA. AAA ist angemessen für Websites, bei denen sich das Publikum stark mit Behindertengemeinschaften überschneidet (manche Behördenangebote, behinderungsfokussierte Verlage, Unternehmen für barrierefreies Design) — und selbst dort wird es typischerweise Kriterium für Kriterium angestrebt, nicht im Ganzen.