Gesetze

ACA

Auch: Accessible Canada Act

Der Accessible Canada Act (2019) ist Kanadas bundesweites Barrierefreiheitsgesetz. Es gilt für Einrichtungen unter Bundesjurisdiktion (Banken, Telekommunikation, Rundfunk, Bundesbehörden). Die Standards werden vom Accessibility Commissioner festgelegt.

Der Accessible Canada Act (S.C. 2019, c. 10), verabschiedet im Jahr 2019, ist Kanadas bundesweites Gesetz zur Barrierefreiheit. Es gilt für Einrichtungen unter Bundesjurisdiktion — Bankwesen, Telekommunikation, Rundfunk, Bundesbehörden und bundesweit regulierter Verkehr.

Geltungsbereich

Der Geltungsbereich des ACA ist enger als der des AODA: Er erfasst nicht, wie der AODA, Unternehmen in Ontario im Allgemeinen. Er gilt für:

  • Bundesbehörden und -abteilungen der Regierung Kanadas.
  • Bundesunternehmen (Canada Post, CBC u. a.).
  • Bundesweit regulierter Privatsektor — Banken, interprovizielle Transportunternehmen (Fluggesellschaften, Eisenbahnen, Schifffahrt), Telekommunikationsunternehmen und Rundfunkveranstalter.
  • Parlament und parlamentarische Einrichtungen (durch spätere Verordnungen hinzugefügt).

Bundesweit regulierte Einrichtungen in Kanada werden auf rund 4.000 Organisationen geschätzt — ein kleineres Universum als das des AODA, jedoch mit überproportionaler nationaler Reichweite (Kanadas größte Banken, Fluggesellschaften und Telekommunikationsunternehmen sind allesamt bundesweit reguliert).

Die drei Säulen

Die Struktur des ACA stützt sich auf drei Elemente:

  1. Barrierefreiheitspläne — jede regulierte Einrichtung muss einen Dreijahresplan zur Barrierefreiheit veröffentlichen, in dem Barrieren, die Maßnahmen zu ihrer Beseitigung und die Methoden zur Erfolgsmessung dargelegt werden. Die Pläne sind unter Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen zu entwickeln.

  2. Rückmeldungsmechanismen — öffentliche Kanäle (Webformular, Telefon, E-Mail), über die jede Person — auch anonym — Rückmeldungen zur Barrierefreiheit einer Organisation einreichen kann. Eine Reaktion ist verpflichtend.

  3. Fortschrittsberichte — alle zwei Jahre veröffentlichen die Organisationen einen Bericht über die umgesetzten Maßnahmen gemäß ihrem Plan sowie über eingegangenes Feedback.

Der Accessibility Commissioner

Das durch das Gesetz eingerichtete Büro des Accessibility Commissioner untersucht Beschwerden, prüft regulierte Einrichtungen und kann Verwaltungsgeldstrafen von bis zu 250.000 CAD pro Verstoß verhängen. Der Commissioner ist bei der Canadian Human Rights Commission angesiedelt.

Standards

Anders als der AODA werden die Standards des ACA noch immer von Accessibility Standards Canada (ASC) entwickelt. Für Webinhalte gilt weiterhin WCAG 2.x AA (üblicherweise 2.1 AA) als operativer Referenzrahmen — derselbe De-facto-Standard, der in den G7-Ländern allgemein angewendet wird. Standards Canada hat einige sektorale Standards veröffentlicht (gebaute Umwelt, Einfache Sprache), doch der IKT-/Webstandard befand sich Stand 2026 noch in der Entwicklung.

Warum ACA und AODA sich ergänzen

Für Organisationen, die sowohl in Ontario als auch in bundesweit regulierten Sektoren tätig sind (etwa eine große kanadische Bank mit Hauptsitz in Toronto), lautet die praktische Compliance-Strategie wie folgt:

  • Den AODA Integrated Accessibility Standards Regulation auf den Betrieb in Ontario anwenden.
  • Die ACA-Pflichten zu Plan, Rückmeldung und Bericht auf alle bundesweit regulierten Tätigkeiten ausdehnen.

In nahezu allen Fällen ist die technische Mindestanforderung — WCAG 2.x AA für Webinhalte — dieselbe; nur die verfahrens- und berichtsbezogenen Anforderungen unterscheiden sich.