Section 508
Eine US-amerikanische Beschaffungsvorschrift für Bundesbehörden (29 U.S.C. § 794d): Bundesbehörden dürfen ausschließlich IKT — Websites, Software, Hardware — beschaffen, die Barrierefreiheitsstandards einhält. Der aktuelle Standard (Refresh 2018) verweist auf WCAG 2.0 AA.
Section 508 des US-amerikanischen Rehabilitation Act (ursprünglich 1986 eingefügt und 1998 sowie 2017 grundlegend überarbeitet) ist eine Beschaffungsvorschrift des Bundes. Sie verpflichtet niemanden dazu, barrierefreie Produkte zu entwickeln — sie besagt lediglich, dass die Bundesregierung keine IKT beschaffen darf, die die Standards nicht erfüllt.
Was „IKT“ umfasst
Der Geltungsbereich von Section 508 reicht weit über Websites hinaus. Die aktuellen Standards (kodifiziert in 36 CFR Part 1194, den „Revised 508 Standards“, die im Januar 2018 in Kraft traten) gelten für:
- Websites und Webanwendungen.
- Software (Desktop, mobil, eingebettet).
- Hardware (Computer, Bildschirme, Peripheriegeräte).
- Telekommunikationsgeräte.
- Eigenständige geschlossene Produkte (Kiosk-Terminals, Geldautomaten im Einsatz für Bundesbehörden).
- Dokumentation und Support-Leistungen.
Mit dem Refresh 2018 wurden die US-amerikanischen Standards mit internationalen harmonisiert, indem WCAG 2.0 Level AA per Verweis für Web-Inhalte übernommen wurde. EN 301 549 (Europa) und Section 508 sind nunmehr für den überschneidenden Gegenstandsbereich inhaltlich konsistent.
VPATs
Der Beschaffungsprozess läuft über VPATs — Voluntary Product Accessibility Templates. Ein Anbieter, der auf eine Bundesausschreibung antwortet, füllt ein VPAT aus, in dem er Erfolgskriterium für Erfolgskriterium dokumentiert, wie sein Produkt die Standards erfüllt. Das aktuelle Muster, VPAT 2.5, liegt in drei Varianten vor (nur Section 508, nur EN 301 549, nur WCAG) sowie als kombinierte „Worldwide“-Variante.
Ein aussagekräftiges VPAT unterscheidet:
- Supports — das Kriterium wird erfüllt.
- Partially supports — es wird für einige Inhalte erfüllt, für andere nicht (mit Erläuterungen).
- Does not support — es wird nicht erfüllt.
- Not applicable — das Kriterium gilt nicht für dieses Produkt.
- Not evaluated — der Anbieter hat nicht geprüft (nur für AAA-Kriterien).
Anbieter, die jede Zeile kommentarlos mit „Supports“ markieren, verbergen typischerweise Mängel. Beschaffungsprüfer sind darauf trainiert, dies zu erkennen.
Durchsetzung
Section 508 wird in erster Linie über den Beschaffungsprozess durchgesetzt — ein nicht konformes Produkt verliert die Ausschreibung. Beschwerden nach dem Gesetz können von Bundesbeschäftigten oder Mitgliedern der Öffentlichkeit eingereicht werden, mit verwaltungsrechtlichen Rechtsmitteln beim Justizministerium und der Barrierefreiheitsstelle der jeweiligen Behörde.
Die General Services Administration betreibt Section508.gov als operativen Hub: Schulungen, Mustervertragssprache, einen Leitfaden für barrierefreie Beschaffung und ein regelmäßig aktualisiertes Änderungsprotokoll zur Standardüberarbeitung.
Relevanz außerhalb des Bundesbereichs
Erstaunlich viele Beschaffungsverträge von Bundesstaaten und Kommunen verweisen direkt auf Section 508 (oder auf staatliche IT-Barrierefreiheitsgesetze, die deren Rahmen übernehmen). Viele große Unternehmenseinkäufer (IT-Abteilungen von Fortune-500-Unternehmen, die SaaS beschaffen) verlangen ebenfalls VPATs als Grundsatzentscheidung, obwohl Section 508 selbst nicht auf sie anwendbar ist. Ein aktuelles VPAT ist für jedes B2B-Softwareprodukt, das auf US-Unternehmenskunden abzielt, nahezu ein Mindestartefakt.