PDF/UA
Auch: ISO 14289, PDF/UA-1, PDF Universal Accessibility
ISO 14289 — die internationale Norm für barrierefreie PDF-Dokumente. Von EAA, Section 508 und EN 301 549 Kapitel 10 als Konformitätsziel für PDF-Barrierefreiheit herangezogen.
PDF/UA — kurz für „PDF/Universal Accessibility“ — ist die ISO-Norm (ISO 14289-1, mit PDF/UA-2 in Entwicklung), die definiert, was ein barrierefreies PDF ausmacht. PDF/UA ist das PDF-seitige Gegenstück zu WCAG: Beide beschreiben, wie Inhalte strukturiert sein müssen, damit assistive Technologien sie lesen können — jeweils für unterschiedliche Dokumentformate.
Was PDF/UA fordert
Die Norm stellt spezifische Anforderungen an die interne Struktur der PDF-Datei:
- Getaggte Inhalte. Jedes bedeutungstragende Element — Absätze, Überschriften, Listen, Tabellen, Abbildungen — muss in einem Struktur-Tag (
<P>,<H1>,<L>,<Table>,<Figure>) eingebettet sein, damit Screenreader es korrekt ankündigen können. - Logische Lesereihenfolge. Die Tag-Reihenfolge im Strukturbaum muss der Reihenfolge entsprechen, der eine sehende Person folgt — nicht der visuellen Koordinatenreihenfolge des PDF-Layouts.
- Alternativtext für Abbildungen und Bilder über
/Alt-Einträge. - Sprache deklariert auf Dokumentebene sowie für jeden inline vorkommenden fremdsprachigen Text.
- Tabellen mit Kopfzellen, die durch
<TH>-Tags undScope-Attribute für komplexe Tabellen gekennzeichnet sind. - Formularfelder mit barrierefreien Namen und Rollen, die über die PDF-Wörterbücher
MKundTUgesetzt werden. - Dekorativer Inhalt als Artefakt markiert, damit Screenreader ihn überspringen (das PDF-Äquivalent von
alt="").
Die vollständige Norm umfasst ca. 30 dichte Seiten; die operative Zusammenfassung lautet: Jedes Inhaltselement im PDF muss eine strukturelle Rolle besitzen, die eine assistive Technologie interpretieren kann.
Beziehung zu WCAG
WCAG gilt ausdrücklich auch für PDFs (W3C dokumentiert dies in den „WCAG 2.1 Techniques for PDF“), jedoch existiert PDF/UA, weil die webzentrierte Sprache von WCAG nicht sauber auf alle PDF-Funktionen abbildbar ist. PDF/UA ist die formatspezifische Spezifikation; WCAG ist das formatübergreifende Barrierefreiheitsziel. Ein PDF/UA-1-konformes Dokument erfüllt WCAG 2.x AA für die Teile von WCAG, die auf PDFs anwendbar sind.
Konformität prüfen
Das kostenlose Referenz-Prüfwerkzeug ist PAC (PDF Accessibility Checker) der Schweizer Stiftung „Access for All“. PAC prüft gegen die maschinell prüfbaren Anforderungen von PDF/UA (die schätzungsweise 60 % der Probleme erfassen); der Rest — aussagekräftiger Alternativtext, korrekte Lesereihenfolge bei komplexen Layouts, Tabellenheader-Semantik — erfordert weiterhin manuelle Prüfung.
Adobe Acrobat Pros „Barrierefreiheitsprüfung“ führt ebenfalls einen internen PDF/UA-bewussten Scan durch, gilt jedoch allgemein als schwächer als PAC.
Warum das relevant ist
In Jurisdiktionen, in denen die EAA, Section 508 oder EN 301 549 gelten, unterliegen veröffentlichte PDFs denselben Barrierefreiheitsanforderungen wie Webseiten. Betroffene Dokumente umfassen unter anderem: Jahresberichte, herunterladbare Formulare, regulatorische Einreichungen, als PDF vertriebene E-Books sowie Verträge.