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RGAA

Auch: Référentiel général d'amélioration de l'accessibilité

Référentiel général d'amélioration de l'accessibilité — Frankreichs nationales Barrierefreiheits-Referenzdokument und Audit-Methodik. Von DINUM gepflegt; die operative Prüfliste hinter Frankreichs WAD- und EAA-Umsetzung.

RGAA — Référentiel général d’amélioration de l’accessibilité (Allgemeines Referenzdokument zur Verbesserung der Barrierefreiheit) — ist das nationale Barrierefreiheits-Referenzdokument der französischen Regierung. Es wird von DINUM (Direction interministérielle du numérique) gepflegt und erfüllt gleichzeitig drei Rollen: Es ist eine lokalisierte Übersetzung von WCAG, eine französischsprachige Audit-Methodik und die praktische Referenz für die Einhaltung der WAD und der EAA in Frankreich.

Warum Frankreich ein eigenes Dokument hat

Der harmonisierte europäische Standard (EN 301 549) ist die rechtliche Grundlage, doch das RGAA existiert, weil EN 301 549 dicht, technisch formuliert und zunächst englischsprachig ist. Das RGAA gliedert Barrierefreiheitsanforderungen in eine prüflistenbasierte Audit-Methodik auf, die französische öffentliche und private Stellen konsistent anwenden können.

Das RGAA ist kein Alternativangebot zu WCAG — es ist eine lokalisierte Hülle. Seine Testkriterien sind auf spezifische WCAG-Erfolgskriterien zurückführbar, werden aber als konkrete Prüfungen formuliert («Hat jedes Bild ein alt-Attribut?») und nicht als übergeordnete WCAG-Ergebnisaussagen.

Versionen

Das RGAA hat mehrere Hauptversionen durchlaufen, die an WCAG-Aktualisierungen gekoppelt sind:

  • RGAA 2 (2008) — umhüllte WCAG 2.0.
  • RGAA 3 (2014) — aktualisiert mit Blick auf die bevorstehende EU-WAD.
  • RGAA 4 (2019) — auf WCAG 2.1 ausgerichtet, um die WAD zu erfüllen.
  • RGAA 4.1.2 (2023) — aktuelle Version, weiterhin auf WCAG 2.1-Basis.

Eine künftige Version wird WCAG 2.2 aufnehmen.

Inhalt des Dokuments

Das RGAA gliedert sich in zwei Hauptteile:

  1. Die Audit-Methodik. Schrittweise Anleitung zur Durchführung eines RGAA-konformen Audits: welche Seiten zu prüfen sind, welche Nutzerpfade zu durchlaufen sind und wie Befunde zu dokumentieren sind. Die Methodik erzeugt einen reproduzierbaren Konformitätswert von 0 bis 100.
  2. Die Kriterien. Rund 100 individuelle Testkriterien, die jeweils einem oder mehreren WCAG-Erfolgskriterien zugeordnet sind. Jedes Kriterium enthält eine technikspezifische Bestanden/Nicht-bestanden-Definition mit Musterbeispielen.

Öffentliche Stellen in Frankreich müssen ihre RGAA-Audit-Ergebnisse regelmäßig veröffentlichen. Das Format ist vorgegeben: ein Konformitätsprozentsatz, eine Liste der nicht erfüllten Kriterien und ein Behebungsfahrplan.

Durchsetzung

Das französische Recht zur digitalen Barrierefreiheit ist in Artikel 47 des Behindertengesetzes von 2005 kodifiziert, geändert durch das Loi pour une République numérique (2016) und nachfolgende Dekrete. Durchsetzungsbehörde ist ARCOM (ehemals CSA — die audiovisuelle Regulierungsbehörde, die die Barrierefreiheitsaufsicht übernommen hat). Bußgelder bei anhaltender Nichteinhaltung können bis zu 20.000 € je nicht-konformem Dienst je Halbjahr betragen.

In der Praxis — wie bei den meisten EU-Umsetzungen — war die Durchsetzung historisch gesehen überwiegend erzieherischer Natur, mit öffentlicher Kritik an hochkarätigen nicht-konformen Websites. Das Inkrafttreten der EAA Mitte 2025 bezog den Privatsektor in denselben Durchsetzungsrahmen ein und hat die Audit-Aktivität nachweislich gesteigert.

Warum das RGAA für nicht-französische Unternehmen relevant ist

Wer in den französischen öffentlichen Sektor verkauft oder verbraucherorientierte Dienste betreibt, die unter die EAA in Frankreich fallen, muss RGAA-Konformität nachweisen — nicht nur WCAG-Konformität. Angebotsunterlagen müssen die RGAA-Terminologie verwenden; nutzerseitige Erklärungen zur Barrierefreiheit in Frankreich nutzen das Konformitätsprozent-Format des RGAA.