Leseniveau
Wenn Inhalte eine Lesekompetenz erfordern, die über das Niveau der Sekundarstufe I hinausgeht, muss eine einfachere Alternative bereitgestellt werden — eine leicht verständliche Fassung, eine Zusammenfassung oder ergänzende Materialien wie Illustrationen oder Audio.
Was gefordert wird
Verlangt ein Text ein Leseverständnis oberhalb der Sekundarstufe I (ungefähr 12 bis 14 Schuljahre, entsprechend Flesch-Kincaid-Klasse 8 oder darunter), müssen ergänzende Inhalte oder eine vereinfachte Alternative bereitgestellt werden. Die Alternative muss nicht auf Grundschulniveau gebracht werden — sie muss lediglich verständlicher sein als das Original.
Das Erfolgskriterium nimmt Eigennamen und Titel ausdrücklich aus der Berechnung des Leseniveaus heraus und befreit Inhalte, bei denen komplexe Sprache zwingend notwendig ist (Rechtsdokumente, wissenschaftliche Publikationen, bei denen eine Vereinfachung den Inhalt verfälschen würde).
Wie das Kriterium erfüllt wird
- Bei Texten für ein allgemeines Publikum Sätze mit unter 25 Wörtern und Absätze mit unter 4 Sätzen anstreben.
- Aktiv formulieren und konkrete Subjekte wählen.
- Längeren Artikeln eine TL;DR-Zusammenfassung oder eine leicht verständliche Kurzfassung voranstellen.
- Komplexe Texte mit Diagrammen, Grafiken oder Illustrationen ergänzen, die dieselbe Information visuell vermitteln.
- Bei Behörden-, Gesundheits- und Rechtstexten eine „Leichte Lesen“-Version neben der offiziellen Fassung veröffentlichen.
- Beim Redigieren ein Lesbarkeits-Tool verwenden (z. B. Hemingway, Flesch-Kincaid-Prüfer oder die Werkzeuge von plainlanguage.gov).
Häufige Fehler
- Richtlinien- und Nutzungsbedingungsseiten auf Hochschulniveau ohne leicht verständliche Zusammenfassung.
- Patienteninformationen im Gesundheitsbereich, die in medizinischer Fachsprache verfasst sind.
- Bildungsressourcen für ein breites Publikum, die im wissenschaftlichen Register gehalten sind und keine Alternative bieten.
- Behördliche Serviceseiten, die Gesetzestexte wörtlich zitieren, ohne sie in handlungsorientierte Hinweise zu übersetzen.
Warum das Kriterium wichtig ist
Dieses AAA-Erfolgskriterium hat eine enorme Reichweite: In vielen Ländern lesen rund 20 % der Erwachsenen unterhalb des Niveaus der Sekundarstufe I. Für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, Legasthenie, geringer Schulbildung oder nicht-muttersprachlichen Deutschkenntnissen ist dichtes Fachtextniveau nicht bloß unbequem — es ist eine unüberwindbare Barriere. Klare Sprache kommt zudem allen zugute, die auf einem Mobilgerät, unter Zeitdruck oder in einer Stresssituation lesen — also den meisten Nutzenden medizinischer, rechtlicher oder finanzieller Seiten genau in dem Moment, in dem sie diese am dringendsten brauchen.